Text: Klaus Botta Foto: Saja Seus

Der Begriff Industriedesign bringt es schon recht deutlich zum Ausdruck. Diese Art der Produktgestaltung knüpft direkt an die industrielle Fertigung an.
Im vorindustriellen Zeitalter bedienten sich die Handwerker der Werkstoffe und Verfahren auf die sie einen direkten Zugriff hatten. Und die waren damals begrenzt.
Die Formgebung bzw. Gestaltung folgte mehr oder weniger selbstverständlich den damals sehr beschränkten Möglichkeiten.
Wohlstand und Luxus wurden durch edlere Materialien und / oder kunsthandwerkliche Veredelung dargestellt. Beispiele hierfür sind die Goldschmiedekunst oder die Bildhauerei

Mit dem Beginn der industriellen Massenproduktion änderten sich allerdings die Rahmenbedingungen ganz wesentlich. Durch das Aufkommen neuer Werkstoffe – allen voran der Kunststoffe – kamen in der Mitte des letzten Jahrhunderts plötzlich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten dazu.

Freiheiten ziehen Entscheidungen nach sich. Entscheidungen wiederum brauchen Fach- und Sachkompetenz. Das entstandene Kompetenzvakuum (wie gestalte ich mit den neuen Materialien und Technologien) wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts, von den Architekten gefüllt. Die Architekten- und Künstlervereinigung BAUHAUS spielte hier eine prägende Rolle und ist bis heute für wegweisendes Produktdesign und sein Klassiker bekannt.
Design war allerdings auch damals schon weit mehr als Luxus. Ohne den Einsatz von Produktdesign entstanden sonst Apparate, die durch und durch Maschinen waren und wenig Bezug zum Menschen erkennen ließen.

„Hässlichkeit verkauft sich schlecht“ erkannte der französisch-amerikanische Industriedesigner und Gestalter Raymond Loewy schon in den 1960er Jahren und entwickelte für seine Objekte bewusst eine ganz eigene Formensprache.
Und er war damit außerordentlich erfolgreich. Gut gestaltete Waren hatten eine wesentlich höhere Attraktivität gegenüber rein pragmatisch funktional entwickelten Gebrauchsgegenständen.
Damals war „Gutes Design“ noch ein Alleinstellungsmerkmal oder zumindest ein wichtiges Qualitäts- und Fortschrittsattribut.

In den 60er Jahren wurde das Design demokratischer und hielt mehr und mehr Einzug in den normalen Alltag. Die Ulmer Hochschule für Gestaltung prägte vor allem die deutsche Designlandschaft mit ihrem strengen, sachlich logischen Funktionalismus.
„Weniger ist mehr“ ist ein programmatischer Ausspruch von Dieter Rams, später Chefdesigner von Braun, der den Geist der damaligen Design-Avantgarde auf den Punkt bringt.

In den vergangenen Jahrzehnten ist das Design dann nochmals deutlich vielschichtiger und umfassender geworden. Neben den klassischen designerischen Tugenden wie „Reduktion auf des Wesentliche“, Funktionalität, Ergonomie kamen weitere, subtilere Ansprüche an die Gestaltung hinzu.

Modernes zeitgemäßes Produktdesign, wie wir es bei Botta-Design betreiben, berücksichtigt eine ganze Reihe von Faktoren, die sehr bewusst und behutsam aufeinander abgestimmt sein müssen.

Eine schöne Hülle über einem fertigen Gerät ist natürlich schon besser als eine unattraktive Hülle. Aber ein wirklich erfolgreiches Produkt entsteht nur, wenn es von Grund auf intelligent und weitsichtig konzipiert wird – nämlich in der ganz frühen Phase der Produktkonzeption. Wir nennen das auch „Genetische Phase“.
Genau hier kann ganzheitliches Produktdesign als interdisziplinäre Wissenschaft wahre Wunder wirken. Besonders dann, wenn es gelingt, die einzelnen Kompetenzbereiche wie Marktanalyse, Konzeption, Gestaltung, Konstruktion, Fertigung und Marketing synergetisch zusammenzubringen.

Genetisches Design setzt eine genaue Kenntnis verschiedener maßgebender Faktoren voraus: Firmenidentität, Firmenziele, aktuelle Produktpalette, Mitbewerbersituation, Zukunftstrends, Fertigungsmöglichkeiten und einiges mehr.
Auf Basis dieser Faktoren kann ein erfahrenes Designteam Konzepte entwickeln, die sich deutlich positiv vom aktuellen Mainstream abheben und damit echte Alleinstellungsmerkmale schaffen.
Um das alles leisten zu können sollte die Entwicklungsmannschaft ein heterogenes Team sein, bei dem Eigenschaften wie Kreativität, Zukunftsorientierung, Know-How aber auch Erfahrung und Realitätssinn gleichwertig vertreten sind.

Fazit: Design ist wesentlich komplexer und umfassender geworden, als es noch vor wenigen Jahrzehnten war. Ohne Design geht es heute eigentlich gar nicht mehr.
Design im kosmetischen Sinne ist sicher besser als gar keines. Wer jedoch wirklich erfolgreich und zukunftssicher sein will, kommt um eine professionelle Produktgestaltung als wesentlichen Bestandteil der Firmenidentität nicht mehr herum.
Richtig eingesetzt verschafft intelligent und konsequent eingesetztes Produktdesign im Rahmen des Corporate Design allerdings einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Wir bei Botta-Design sprechen in diesem Zusammenhang gerne von „Genetischem Design“. Wir meinen damit die Integration von Produktdesign bereits in der genetischen Phase eines neuen Artikels, Gerätes oder Systems.
Nach unserer Erfahrung hat professionelles Produktdesign den weitaus größten Effekt, wenn die Designer bereits bei der strategischen und konzeptionellen Planung mit einbezogen werden.

Überlegene Produkte entstehen nicht nur mit dem Blick auf die eigene Vergangenheit oder auf den Wettbewerb, sondern ganz wesentlich auch durch den unvorbelasteten Blick auf die Rahmenbedingungen und Chancen der Zukunft.
Diesen Blick zu entwickeln ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Designbüros.

Author Klaus Botta

Klaus Botta (* 21. Mai 1959 in Bamberg) ist ein deutscher Industriedesigner. Bekanntheit erlangte er durch die Entwicklung der Einzeiger-Armbanduhr und löste einen Trend aus, dem weitere Einzeiger-Modelle von anderen Herstellern folgten.

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