Porträt von Markus Schraml, erschienen in morethandesign

Für Menschen, die eher in Zeiträumen als in bestimmten Zeitpunkten denken, sind Einzeigeruhren ideale Wegbegleiter, denn sie fördern einen entspannten Umgang mit der Zeit. Dennoch gewähren diese Uhren eine erstaunlich genaue Ablesung, besonders wenn sie vom Pionier des Einzeigerprinzips, Klaus Botta, konstruiert wurden.

Die wohl radikalste Maßnahme in Sachen Reduktion im Uhrendesign ist die Beschränkung auf nur einen einzigen Zeiger. Dabei ist diese Idee keineswegs neu – im Gegenteil. Klaus Botta wendete das Einzeigerprinzip bereits vor 30 Jahren an. Damals entwickelte der Gründer und Inhaber von Botta-Design die weltweit erste Einzeiger-Armbanduhr – die „UNO“. Als Mitte der 1980er-Jahre die Uhrenproduktion einen Höhepunkt in der Armbanduhren- und Zeigervielfalt erreicht hatte, verfolgte Klaus Botta diese Entwicklung mit Grauen, denn für ihn war die Ablesbarkeit der meisten Uhren an einem Tiefpunkt angelangt. Daraufhin kreierte er eine Uhr, die nur den Stundenzeiger aufwies. Klaus Botta: „Mein Gedanke hinter der Entwicklung des Einzeigerprinzips war: weg von der wachsenden Komplexität – hin zu einer Reduktion auf das Wesentliche. Die einfache Anzeige der ‚UNO‘ sollte dabei der Entschleunigung des Alltags dienen.“

Tatsächlich sorgt das Design des Zifferblatts der „UNO“ für ein intuitives Erfassen der Uhrzeit. Dabei kann der Stundenzeiger die Zeit mithilfe der 5-Minuten-Skalierung erstaunlich genau darstellen. Die hervorragende grafische Gestaltung und die eindeutige Zeigerstellung erlauben das Erfassen der Zeit mit nur einem flüchtigen Blick. Außerdem sind minutengenaue Zeitangaben im Alltag eher unüblich. Aussagen wie „kurz nach eins“ oder „zwanzig vor neun“ entsprechen schon mehr der Realität. Für diesen lockereren Umgang mit der Zeit sorgt bei diesem Uhrentyp schlichtweg die Klarheit des einen Zeigers, die eine sehr schnelle Zeitwahrnehmung erlaubt, gleichzeitig aber eine zu genaue Angabe verhindert. Wer sich allerdings einmal mit seiner/ihrer Einzeigeruhr vertraut gemacht hat, kann die Uhrzeit dann doch zumindest minutengenau angeben.

Unlängst bescherte Botta-Design mit der „UNO+“ der Einzeiger-Fangemeinde eine Neuauflage des Einzeiger-Klassikers. Klaus Botta hat dafür das Konzept der „UNO“ grundlegend modernisiert und auch die Ablesbarkeit nochmals deutlich verbessert. Die Vergrößerung des Uhrendurchmessers von 40 auf 44 mm und die Verschlankung des Gehäuserandes lassen die Uhr großzügiger wirken. Die maximale Auflösung der bis an den Zifferblattrand gezogenen Skala erlaubt eine noch höhere Ablesegenauigkeit. Die Bandanstöße liegen verdeckt unterhalb des Gehäuses. Deshalb kann diese Uhr trotz ihres Durchmessers auch an schmalen Handgelenken getragen werden.

Einzeigeruhr: von 12 auf 24 Stunden

„Genau genommen ist die 12-Stunden-Uhr eine Verfremdung der Realität. Schließlich hat der Tag 24 Stunden und nicht zwölf. Eine 12-Stunden-Uhr zeigt darum zweimal am Tag die gleiche Uhrzeit an. Bei einer 24-Stunden-Uhr ist die Anzeige der Tageszeit dagegen eindeutig. Besonders übersichtlich wird die Zeitdarstellung, wenn man die 24-Stunden-Anzeige mit dem Einzeigerprinzip kombiniert. Dann sind nämlich Erdrotation und Zeigerrotation exakt synchron“, sagt Klaus Botta über seine Idee, die Einzeigeruhr mit einem 24-Stunden-Zifferblatt auszustatten und damit die gefühlte Entschleunigung des Tages noch weiter voranzutreiben. Bei der „UNO 24“ steigt der Zeiger früh morgens über den Horizont des Zifferblatts und symbolisiert so den Sonnenaufgang. Mittags zeigt auch der Zeiger senkrecht nach oben und gegen Abend erreicht er die unten liegende Nachthälfte des Zifferblatts. Dann um Mitternacht gelangt der Zeiger zur Datumsgrenze, das Datum springt weiter und der neue Tag beginnt.

„Jede Uhr hat ein Thema, aus dem sich die Gestaltung ableitet“, erläutert Klaus Botta. „Für die gestalterische Umsetzung dieses Konzeptes nehmen wir uns viel Zeit.“ Bevor ein Zeitmesser der Öffentlichkeit vorgestellt wird, muss er eine lange Entwicklungsphase durchlaufen. Die Einzeigeruhren entstehen zunächst am Computer. Mit einem leistungsfähigen CAD-Programm werden alle Bauteile dreidimensional entwickelt und anschließend zu einem Ganzen zusammengefügt. „Bevor ein Objekt reif ist für den Bau eines Prototyps, gibt es, zum Beispiel nur für ein Zifferblatt, 50 bis 200 Entwürfe, die gegeneinander abgewogen wurden. Nur das beste Design geht in die nächste Phase“, verdeutlicht Botta die Arbeitsweise in seinem Studio in Königstein im Taunus.

Dieser Text erschien zunächst bei morethandesign. Wir danken dem Design-Magazin und dem Autor Markus Schraml, dass wir das Porträt bei uns online stellen dürfen!

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