Von den Himmelskörpern über die mechanische Einzeigeruhr bis zur Atomuhr

Die Zeit sowie die wandernden Phasen der Himmelsgestirne Sonne und Mond übten seit Anbeginn Faszination auf den Menschen aus. Bereits mehrere alte Kulturen erkannten unabhängig voneinander, dass sich anhand von Sonnenauf- und -untergang sowie der Wanderbewegung der Schatten Zeit messen lässt. Mit dem Wahrnehmen und Festhalten des naturgegebenen Laufs der Zeit beginnt die Geschichte der Zeitmessgeräte. Von der Sonnenuhr und Wasseruhr der Ägypter, über die mechanische Einzeigeruhr sowie die Taschenuhr bis hin zur Atomuhr – die Geschichte der Uhr umspannt mindestens 5000 Jahre.

Sonnenuhren und der natürliche Lauf der Zeit

Frühformen eines Kalenders hatten vermutlich bereits Jäger und Sammler in der letzten Eiszeit. Ihren eigentlichen Ursprung hat unsere heutige Uhr aber bei den Sumerern und alten Ägyptern, die als Erfinder der Zeitmessgeräte gelten. Schon die auf Schattenstäben basierenden Sonnenuhren um 3000 v. Chr. hatten entscheidende Merkmale unserer heutigen Uhren: Die Sonnenuhren waren meist kreisförmig konzipiert, um den Sonnenlauf zu symbolisieren, und unterteilten Tag und Nacht in jeweils zwölf Einheiten.

Das einfache Prinzip der Sonnenuhr hatte jedoch seine Nachteile: weder erfasste es die unterschiedliche Länge von Tages- und Nachtzeit im Sommer oder Winter, noch funktionierte es in der Nacht oder an sonnenarmen Tagen. Demnach richtete sich das Leben der Menschen damals vor allem nach dem Hell-Dunkel-Rhythmus.

Wasseruhr: Zeitanzeige zur Tag- und Nachtzeit

Der Siegelaufbewahrer Amenemhet unter dem ägyptischen König Amenophis I. nahm sich 1520 v. Chr. beiden Problemen der Sonnenuhr an: Die für seinen König konzipierte Wasseruhr ermöglichte nicht nur das Zeitablesen des Nachts, sondern berücksichtigte auch die unterschiedliche Anzahl der Nachtstunden in der Sommer und Winterzeit. Die Wasseruhr basierte nicht auf der Beobachtung der Himmelskörper und definierte Zeiteinheiten, indem das Wasser aus einem Behälter in einen anderen strömte.

Das Prinzip war schließlich auch Grundlage für die Sanduhr, welche sich ab dem 14. Jahrhundert verbreitete. Ein anderes Messgerät, das die Zeitanzeige unabhängig von Tag und Nacht machte, war beispielsweise die Kerzenuhr ab 900 n. Chr.

Zeitmessung für die Allgemeinheit – die mechanische Einzeigeruhr

Da Zeitmessgeräte eher selten in privaten Haushalten zu finden waren, wurden im Mittelalter die Glockentürme benutzt, um wichtige Zeitpunkte des Tages und der Nacht wie Gebetszeiten oder Öffnungszeiten der Stadttore den Bürgern akustisch anzuzeigen.

Die ersten mechanischen Uhren, die sogenannten Räderuhren, waren der nächste Schritt, Zeitmessung für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Sie liegen am Anfang des Uhrmacherhandwerks sowie der Entwicklung hin zur heutigen Uhr. Zu Beginn in Form von Tischuhren nur in Klöstern zur Gebetsanzeige verbreitet oder vom Türmer zum zeitgenauen Anschlagen der Glocken verwendet, gelangte die Räderuhr schließlich als Turmuhr in den öffentlichen Raum.

Wann die erste mechanische Uhr entwickelt wurde, ist nicht bekannt, doch sind erste Uhren um 1300 verzeichnet. Die ersten mechanischen Uhren wurden als Einzeigeruhr (Uhr mit einem Zeiger, kein Minutenzeiger) konzipiert, standen aber an Genauigkeit den mittlerweile ausgereiften Sonnenuhren weit nach. Erst im 17. Jahrhundert war die Technik so weit fortgeschritten, dass es Sinn machte, dass ein zusätzlicher Minutenzeiger von nun an die Zeit in noch kleinere Einheiten unterteilte.

Die Erfindung der Taschenuhr: Vom allgemeinen Gut zur Omnipräsenz

Die Taschenuhr machte die Zeitmessung schließlich einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich und entkoppelte sie von festgelegten Standorten.

Die Herstellung der Kleinuhr wurde durch die Entwicklung der Zugfeder, die Energie für das Uhrwerk speicherte und die Uhr so vom Aufstellort löst, möglich. Der Nürnberger Schlossermeister Peter Henlein verband Anfang des 16. Jahrhunderts als einer der ersten die Feder mit einem Gangregler und verkleinerte die Uhr so auf Taschenformat. Bei der „Nürnberger Eieruhr“ handelt es sich um einen der ersten Vertreter der Taschenuhr. Lange Zeit wurde Henlein als der Erfinder der Taschenuhr in Eiform gehandelt, letztendlich lässt sich die Urheberschaft aber nicht belegen.

Die Armbanduhr hatte ihren Ursprung in speziell für Frauen konzipierten Kleinuhren, die am Arm getragen werden konnten. Erst die Fliegeruhr machte die Armbanduhr für Männer attraktiv. Gegen die Taschenuhr konnte sich die Armbanduhr jedoch erst im ersten Weltkrieg durchsetzen. Durch Erfindungen wie die wasserdichte Uhr von Rolex, die durch die Durchquerung des Ärmelkanals durch Mercedes Gleitze am 7. Oktober 1927 Berühmtheit erlangte, sowie die 1923 von John Harwood erfundene Automatikuhr wurde diese Entwicklung nochmals wesentlich unterstützt.

Während bislang die Faszination Uhr vornehmlich der Maschine galt und weniger dem exakten Zeitmessen, entwickelte sich der Luxusgegenstand durch stetige Technisierung und einen zunehmend industrialisierten Herstellungsprozess zum Alltagsgegenstand. Der zunehmende Uhrenbesitz führte zu einer bis heute anhaltenden Omnipräsenz der Zeit. In gleichem Maße stieg der Anspruch an die Exaktheit der Zeitanzeige.

Das Streben nach Genauigkeit: Mehr und mehr Präzession

Erfindungen wie der Federantrieb, die Unruh und das Pendel als Gangregler und die Entdeckung des Isochronismus haben die mechanischen Uhren über die Zeit hinweg immer präziser werden lassen und nicht zuletzt führte auch die Einführung der ersten Weltzeit, der Greenwich Mean Time, zu einer einheitlichen Zeitbestimmung. Noch präziser als die mechanische Uhr erwies sich jedoch die bereits 1921 erfundene Quarzuhr und löste in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Räderuhr weitgehend ab.

Die 1949 erstmals eingesetzte und heute vor allem in der Wissenschaft und Raumfahrt verwendete Atomuhr ist bislang die genaueste Uhr. Die Funkuhren, deren Zeitanzeigen per Funksignal mit Atomuhren abgeglichen werden, geben deren Präzession seit den 1960er Jahren an die Allgemeinheit weiter.

Mit der steigenden Wahrnehmung von Zeit wurden im 19. Jahrhundert auch Uhren zur Bestimmung von Zeitunterschieden wie die Stoppuhr oder Stempeluhr erfunden. Auch der mechanische Wecker wurde während der Industrialisierung immer wichtiger und wurde 1847 von Antoine Redier patentiert.

Gegenläufige Trends: Einzeigeruhr versus multifunktionale Smartwatch

Aktuell sind zwei gegenläufige Trends im Uhrenbereich zu beobachten: Einmal gibt es die Entwicklung hin zu immer mehr Funktion und Information am Handgelenk. Das Stichwort hierfür lautet Smartwatch (oder Applewatch). Also elektronisch digitale Devices, die weit mehr können als nur die Zeit anzuzeigen.

Der Funktionsumfang solcher Geräte gleicht mehr dem eines Smartphones als dem einer klassischen Uhr. Die Idee dahinter klingt vielversprechend: Der Träger soll die Möglichkeit haben, auf kleinstem Raum alle möglichen Daten zu erfassen, diese aufzuzeichnen und eventuell auch noch versenden zu können. Es besteht eine relativ enge und fast lückenlose Interaktion zwischen Träger und Smartwatch. Dies erfordert allerdings auch eine recht intensive und permanente Beschäftigung des Trägers mit seinem elektronischen „Helfer“.

Der „Anwender“ muss sich sehr intensiv mit dem teilweise hochkomplexen Produkt „Smartwatch“ auseinandersetzen. Er muss sie regelmäßig aufladen, synchronisieren, warten, updaten – und nicht zuletzt die gewonnenen Daten auswerten und verwalten.

Genau hier setzt der zweite aktuelle Trend – der Gegentrend an. Geboren aus dem Wunsch nach Reduzierung von Komplexität und Handlungsaufforderung.

So gibt es auf der anderen Seite eine wachsende Zahl von Menschen, die sich bewusst gegen eine Überfrachtung ihres Lebens mit Technologie und deren Möglichkeiten aussprechen und eine Reduktion auf das Wesentliche für den attraktiveren Weg halten.

Diese Nutzergruppe entscheidet sich oft sehr bewusst gegen Multifunktionalität und die „Last der vielen Möglichkeiten“. Vielmehr schätzen sie die Qualität der Vereinfachung. Eine Uhr als Zeitanzeiger – und – nicht unwichtig: als Symbol einer souveränen Geisteshaltung und eines entsprechenden Wertedenkens.

Die wohl konsequenteste Form dieser Reduktion auf das Wesentliche findet sich in der Armbanduhr UNO. Diese Einzeigeruhr, die vom Physiker und Designer Klaus Botta im Jahr 1986 entworfen und entwickelt wurde, hat genau diese Vereinfachung zum Ziel – in einem Umfeld stetiger Verkomplizierung. Besonders in der Automatikausführung vereint sie intelligente Reduktion, hohen Designanspruch und hochentwickelte Uhrmacherkunst „Made in Germany“ zu einem modernen Klassiker mit zeitphilosophischem Hintergrund.

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